Merci Nelly …, an Äddi!

Mit großer Bestürzung und allgemeinem Bedauern haben wir vor wenigen Wochen die Nachricht vom Tod unserer Ehrenbürgermeisterin Nelly Stein zur Kenntnis nehmen müssen. Mit Nelly Stein verliert die Gemeinde Schifflingen eine Persönlichkeit, die auf ihre Art und Weise das gesellschaftliche Leben in ihrem Heimatort prägte.






Besonderes am Herzen lag ihr das Miteinander in der Ortschaft, wohlwissend, dass nur das „Zesummen“ zum Erfolg führt. Als sie im Januar 1994 das Bürgermeisteramt in einer CSV-LSAP-Koalition übernahm, war es ihr besonderes Anliegen, den politischen Kleinkriegen und Streitigkeiten ein Ende zu setzen.

In der Schöffenratserklärung vom 28. Januar 1994 sagte sie: „Schëffleng brauch eng politesch Kultur, mir brauchen virun allem Rou a Fridden an eiser Uertschaft. Et ass leider eng Tatsaach, datt Schëffleng zënter méi ewéi 20 Joër nët onbedingt fir besonnesch mënschlech Sensibilitéit am politeschen Alldag bekannt war. Dat muss anescht ginn. Et däerf einfach nët méi sinn, datt d’Parteipolitik Sträit an d’Familljen an an d’Veräiner brengt.“ Ohne Zweifel hat sich der Einsatz gelohnt und der Wunsch von Nelly Stein erfüllt, denn seit Jahren zeichnet sich der Gemeinderat durch eine konstruktive und kollegiale Zusammenarbeit aus. Vorbei die Zeiten, in denen die Sitzungen von Polemik und Streitigkeiten geprägt waren. Nunmehr steht der Austausch der Ideen im Mittelpunkt. Nelly Stein sagte immer: „Et muss een de Ball an nët de Mann spillen!“

In Schifflingen verbrachte Nelly Stein ihre Jugendzeit. Hier wurde sie geboren und hier wohnte sie. Als langjährige Bürgermeisterin hat Nelly Stein ihrer Gemeinde den Stempel aufgedrückt. In der Schifflinger Lokalpolitik war Nelly Stein 21 Jahre lang aktiv, davon bekleidete sie während neun Jahren das Bürgermeisteramt. Das schmucke Minettestädtchen war ihr derart ans Herz gewachsen, dass sie zu behaupten wagte: „Eigentlich kann ich mir nichts Schöneres vorstellen, als Bürgermeisterin meiner Heimatortschaft zu sein. Da hat man immer eine sinnvolle Beschäftigung.“

Vom 1. Januar 1994 bis zum 1. Januar 2003 leitete Nelly Stein als Bürgermeisterin die Geschicke im Gemeindehaus. Ihr Konzept hieß Bürgernähe. Wer ein Problem hatte und Hilfe brauchte: Bei der Bürgermeisterin traf er auf ein offenes Ohr. Hilfesuchende fanden bei ihr stets einen guten und ehrlichen Rat. Wenn irgendwie möglich, kümmerte sie sich ganz persönlich um die Anliegen ihrer Mitbürger. „Die Politik kann nicht alles, vor allem kann sie das Glück des Einzelnen nicht herbeizaubern. Doch oft kommen die Menschen in einer Notsituation zu mir, wo es irgendwo nur noch ein bisschen am guten Willen mangelt“, sagte sie und griff dann beherzt und unbürokratisch ein.

Als Nelly Stein in Schifflingen die Amtsgeschäfte übernahm, galt ihre erste Sorge dem Kanalnetz. Dies war für sie oberste Priorität. Sie hat sich daher mit Nachdruck engagiert, jedes Jahr zwei Straßeninfrastrukturen samt Kanalwerk zu erneuern, was schließlich auch dazu beigetragen hat, das Überschwemmungsrisiko in Schifflingen einzudämmen. Mit einer in Auftrag gegebenen Studie über das lokale Kanalnetz und mit dem Bau des Rückhaltebeckens beim ,,Hall polyvalent’’ war Nelly Stein sich sicher, dass man das Problem in den Griff bekommen wird. Ein getrenntes Kanalsystem für Schmutz- und Regenwasser ist heute zur Selbstverständlichkeit geworden. Parallel dazu wurde mit dem Staat die Renaturierung der Alzette vorgenommen.

Weitere Projekte, auf die Nelly Stein mit Stolz blicken kann, sind der Bau der dritten Schule "In der Mühlchen" mit integriertem Schulrestaurant und Betreuung der Schüler. Ein kommunaler Schulbus steht auch zur Verfügung. Die Renovierung der Albert-Wingert-Schule wurde in Angriff genommen. Jede der drei gemeindeeigenen Schulen wurde zusätzlich um die Früherziehung erweitert.

Die Gemeindewerkstätten wurden aus dem Ortsinnern verlegt, neue Unterkünfte für die freiwillige Feuerwehr und den Zivilschutz wurden geschaffen. Ein anderes gelungenes Projekt stellen die Renovierungs- und Umänderungsarbeiten am kommunalen Schwimmbad dar. Auf dem Friedhof wurden unter der Leitung von Nelly Stein die vorhandenen Infrastrukturen in Stand gesetzt und erweitert. Mit dem Bau der Leichenhalle verfügt Schifflingen nunmehr über diesbezügliche adäquate und würdige Einrichtungen. Das CAS-Terrain wurde mit einer Tartanpiste ausgestattet.

In punkto Ökologie steht die Gemeinde Schifflingen mustergültig da. In einer groß angelegten Sensibilisierungskampagne wurden den Bürgern Energiesparmaßnahmen näher gebracht. Die im Pflegeheim (Gériatrie) untergebrachte Wärmekraftkoppelungsanlage funktioniert optimal.

Der "Club Senior" hat seine Tore geöffnet, die "Internet-Stuff" hat ihre Aktivitäten aufgenommen, der Bau von Seniorenwohnungen ist in Planung (wir bedauern sehr, dass sie beim ersten Spatenstich Anfang Oktober nicht mehr dabei sein kann) und das Jugendhaus ist seit vergangenem Januar in Betrieb.

Alles in allem eine stolze Bilanz, aufgrund derer Nelly Stein mit Genugtuung und Zufriedenheit auf ihre neunjährige Tätigkeit als Bürgermeisterin von Schifflingen zurückblicken und "Mission accomplie" melden kann.

In der nationalen Politik war es vor allem die Ausbildung, der sich Nelly Stein verschrieben hatte. Die Schulreformen der vergangenen Jahre – so besonders auch die Schaffung der „Uni Lëtzebuerg“ – hat sie mit ihrem Fachwissen wesentlich beeinflusst.

Ins Parlament wurde sie zum ersten Mal 1989 gewählt. Auf Anhieb gelang ihr damals der Sprung auf den Krautmarkt. So wurde sie als Präsidentin der Kommission für Erziehung und Berufsausbildung ihrem Ruf als Expertin in Bildungsfragen vollauf gerecht. Zeitlebens war sie eng mit dem Schulwesen und der Schulpolitik verbunden. Nach Abschluss ihrer Sekundarstudien wollte sie Lehrerin werden. Doch dann, nach dem Erwerb mehrerer zusätzlicher Diplome, wechselte sie als Professorin in den technischen Sekundarunterricht.

„Ich war gerne Pädagogin“, erzählte Nelly Stein in vielen Gesprächen. „Auch hat die langjährige Praxis im Umgang mit Kindern und Jugendlichen, verbunden mit dem Einblick in ihr familiäres Umfeld, mein Bewusstsein für soziale Fragen geschärft.“ Klar, dass ihr ein solcher Erfahrungsschatz in ihrer Arbeit als Mitglied der Familienkommission zugute gekommen ist.

Bei den Legislativwahlen von 2004 gelang ihr erneut als Siebtgewählte auf der CSV-Südliste der direkte Sprung in die Abgeordentenkammer.

Fairness, Ehrlichkeit und Offenheit standen für Nelly Stein, die viel auf Konsens hin arbeitete, im Mittelpunkt ihrer Aktivität als Politikerin. Im Zusammenwirken mit ihrem ausgeprägten sozialen Gerechtigkeitsempfinden mögen ihr diese drei Eigenschaften bei den letzten Gemeindewahlen die meisten Stimmen aller Kandidaten eingebracht haben. „Ich war jedenfalls sehr glücklich über den großen Vertrauensbeweis meiner Mitbürger“, gab sie zu.

Ihre Devise, in erster Linie für andere da zu sein, kommt nicht von ungefähr. Viele Jahre engagierte sich Nelly Stein bei den „Lëtzebuerger Guiden“, mit denen sie bis zu ihrem Tode noch ein herzliches Verhältnis pflegte. „Ich will mein Bestes geben, überall, wo ich aktiv bin“, sagte sie.

Wer sie kannte, wer mit ihr zu tun hatte, glaubte ihr aufs Wort. Mit Nelly Stein verliert die Gemeinde Schifflingen eine Persönlichkeit, die durch zielstrebiges und ehrliches Arbeiten die Ortschaft zu einer echten Gemeinschaft führte. Die CSV verliert eine Politikerin, die ihre Dossiers mit Kompetenz und Engagement zu verarbeiten und zu verteidigen pflegte.

Deshalb noch einmal Merci Nelly …, an Äddi!