Merci Nelly, an Äddi!

In Schifflingen verbrachte Nelly Stein ihre Jugendzeit. Hier wurde sie geboren, und hier wohnte sie. Als langjährige Bürgermeisterin hatte Nelly Stein ihrer Gemeinde den Stempel aufgedrückt.
\"\"/In Schifflingen verbrachte Nelly Stein ihre Jugendzeit. Hier wurde sie geboren, und hier wohnte sie. Als langjährige Bürgermeisterin hatte Nelly Stein ihrer Gemeinde den Stempel aufgedrückt. Das schmucke Minettestädtchen war ihr derart ans Herz gewachsen, dass sie zu behaupten wagte: „Eigentlich kann ich mir nichts Schöneres vorstellen, als Bürgermeisterin meiner Heimatortschaft zu sein. Da hat man immer eine sinnvolle Beschäftigung.“

Vom 1. Januar 1994 bis zum 1. Januar 2003 leitete Nelly Stein als Bürgermeisterin die Geschicke im Gemeindehaus. Ihr Konzept hieß Bürgernähe. Wer ein Problem hatte und Hilfe brauchte: Bei der Bürgermeisterin traf er auf ein offenes Ohr. Hilfesuchende fanden bei ihr stets einen guten und ehrlichen Rat. Wenn irgendwie möglich, kümmerte sie sich ganz persönlich um die Anliegen ihrer Mitbürger. „Die Politik kann nicht alles, vor allem kann sie das Glück des einzelnen nicht herbeizaubern. Doch oft kommen die Menschen in einer Notsituation zu mir, wo es irgendwo nur noch ein bisschen am guten Willen mangelt“, sagte sie und griff dann beherzt und unbürokratisch ein. (lesen sie auch hier)

In der nationalen Politik war es vor allem die Ausbildung, der sich Nelly Stein verschrieben hatte. Die Schulreformen der vergangenen Jahre – so besonders auch die Schaffung der „Uni Lëtzebuerg“ – hatte sie mit ihrem Fachwissen wesentlich beeinflusst.

Ins Parlament wurde sie zum ersten Mal 1989 gewählt. Auf Anhieb gelang ihr damals der Sprung auf den Krautmarkt. So wurde sie als Präsidentin der Kommission für Erziehung und Berufsausbildung ihrem Ruf als Expertin in Bildungsfragen vollauf gerecht. Zeitlebens war sie eng mit dem Schulwesen und der Schulpolitik verbunden. Nach Abschluss ihrer Sekundarstudien wollte sie Lehrerin werden. Doch dann, nach dem Erwerb mehrerer zusätzlicher Diplome, wechselte sie als Professorin in den technischen Sekundarunterricht.

„Ich war gerne Pädagogin“, erzählte Nelly Stein in  vielen Gesprächen. „Auch hat die langjährige Praxis im Umgang mit Kindern und Jugendlichen, verbunden mit dem Einblick in ihr familiäres Umfeld, mein Bewusstsein für soziale Fragen geschärft.“ Klar, dass ihr ein solcher Erfahrungsschatz in ihrer Arbeit als Mitglied der Familienkommission zugute gekommen ist.

Fairness, Ehrlichkeit und Offenheit standen für Nelly Stein, die viel auf Konsens hin arbeitete, im Mittelpunkt ihrer Aktivität als Politikerin. Im Zusammenwirken mit ihrem ausgeprägten sozialen Gerechtigkeitsempfinden mögen ihr diese drei Eigenschaften bei den letzten Gemeindewahlen die meisten Stimmen aller Kandidaten eingebracht haben. „Ich war jedenfalls sehr glücklich über den großen Vertrauensbeweis meiner Mitbürger“, gab sie zu.

Ihre Devise, in erster Linie für andere da zu sein, kommt nicht von ungefähr. Viele Jahre engagierte sich Nelly Stein bei den „Lëtzebuerger Guiden“, mit denen sie bis zu ihrem Tode noch ein herzliches Verhältnis pflegte. „Ich will mein Bestes geben, überall, wo ich aktiv bin“, sagte sie.

Wer sie kannte, wer mit ihr zu tun hatte, glaubte ihr aufs Wort. Mit Nelly Stein verliert die Gemeinde Schifflingen eine Persönlichkeit, die durch zielstrebiges und ehrliches Arbeiten die Ortschaft zu einer echten Gemeinschaft führte. Die CSV verliert eine Politikerin, die ihre Dossiers mit Kompetenz und Engagement zu verarbeiten und verteidigen pflegte.

Merci Nelly, an Äddi!